Sonne, Mond und Marie W.

18. Juni 2015
Marie W Mond-Duo

In wenigen Tagen ist es soweit: am 21. Juni ist Sommersonnenwende. Dann werden die Tage allmählich wieder kürzer (traurig, aber wahr). Zu gern würde ich mal in Schweden Midsommar feiern – ich mag die derzeit kurzen Nächte ja sehr! Abends tut es mir ungemein gut, dass es erst so spät dunkel wird. Ich bin ein bekennender Abend- und Nachtmensch und habe in den späten Abendstunden oft nochmal einen Kreativitäts- oder Produktivitätsschub. Umso schöner, dass ich derzeit dabei erst spät auf Tageslicht verzichten muss.

Dass die Nächte momentan wirklich sehr, sehr kurz sind, habe ich erst gestern wieder festgestellt. Nachdem ich auf dem Sofa eingeschlafen war, taumelte ich kurz nach 3 schlaftrunken ins Bett. Und siehe da, am Horizont war schon der erste Schweif an Dämmerlicht zu erkennen (und das in Kombination mit Schlossblick, es war zum Niederknien kitschig).

Die kurzen, lauen Sommernächte genieße ich vor allem im Juli und August, wenn sich der sommerliche Sternenhimmel in seiner vollen Pracht zeigt. Oft werde ich dann ein wenig sentimental und erinnere mich an meine Abitur-Zeit zurück, als meine Freundinnen und ich häufig mit der Sternkarte in der Hand nach Sternbildern Ausschau hielten. In den Sternschnuppennächten bin ich jedes Jahr aufs Neue auf dem Balkon anzutreffen – immer in der Hoffnung, einen Wunscherfüller am Himmel zu entdecken. Letztes Jahr waren es drei, glaube ich. (Was ich mir gewünscht habe, weiß ich allerdings nicht mehr.) Wenn dann noch Mondlicht dazu kommt, die Grillen zirpen und ein laues Lüftchen weht, ruhe ich innerlich in mir und genieße die friedliche und geheimnisvolle Stimmung.

Morgens ist es dafür aktuell wiederum umso schöner, beim Aufwachen schon die Sonnenstrahlen im Gesicht zu haben und beim ersten Augenaufschlag und dem Blick aus dem Fenster das leuchtende Himmelsblau zu bestaunen, während draußen die Vögel euphorisch den neuen Tag besingen. Sonne am Himmel, Sonne im Herzen – so komme ich fast schon federleicht aus dem Bett. Zugegeben, manchmal dauert es dennoch mehrere Snooze-Phasen, bis ich die Beine über die Bettkante schwinge. Das helle Sommerlicht hilft dabei aber zweifelsohne.

marie w lidschatten mond-duo

Zwei Produkte, die für mich genau diese beide Grundstimmungen – die sonnengeladene Euphorie auf der einen und die mondlichtgetauchte Melancholie auf der anderen Seite – beschreiben, stammen von Marie W. Aus dem Hause der kleinen deutschen Naturkosmetik-Manufaktur kommen hübsche Lidschatten-Duos, die sich bezaubernderweise „Mond-Duos“ nennen. Sie befinden sich in einem handschmeichelnden weißen, aufklappbaren Döschen, das von der niedlichen, für die Marke typischen Katze bewacht wird. Im Inneren befinden sich jeweils zwei Farben, eine davon nimmt ca. ein Drittel der Fläche ein, die andere entsprechend doppelt so viel. Optisch ergibt das Ganze dann eine Art Mond. Herrlich, oder? Gut finde ich persönlich, dass auf (für mich) so unsinnige Accessoires wie einen zusätzlichen Pinsel verzichtet worden ist. Im Deckel der Dose befindet sich ein kleiner runder Spiegel.

Nicht nur die Verpackung, auch der Inhalt sind sehr hochwertig. Die Farben lassen sich mit einem Pinsel spielend leicht entnehmen, die Farbabgabe ist optimal. Die Farbtöne schimmern dezent und halten über einer pudrigen oder auch einer cremigen Base einige Stunden durch. Bedauerlicherweise hat eines der beiden Lidschatten-Duos schon Bekanntschaft mit meinen Badfliesen gemacht, so dass die obere Hälfte sich auf dem Boden in seine Bestandteile aufgelöst hat. Glimmer, Wiesenschaumkrautöl und verarbeitete Pflanzenöle bilden die Basis für die Lidschatten. Wie die Farben im Vergleich zu anderen Lidschatten aussehen, könnt ihr auf in diesem und diesem Beitrag auf Beautyjagd ansehen.

Die beiden Duos möchte ich euch in Poesie-Form vorstellen. Heute habe ich scheinbar einen etwas nostalgischen Tag, denn ich habe zu diesem Zweck meine Suhrkamp-Ausgabe aller Gedichte Hermann Hesses aus dem Bücherschrank befreit – dem literarischen Helden meiner Jugendtage.

Mond-Duo 05: SonnenKind

marie w mond-duo 05 sonnenkind

Ein sommerliches Duo, bei dem ein zarter Pfirsich-Ton mit pastelligem Gelb um die Wette strahlt. Perfekt, um an einem sonnigen Sommertag durch blühende Gärten zu ziehen, das Duft-Potpourri der Bäume, Sträucher und Blumen zu inhalieren und unbeschwert den Tag zu genießen. Hermann Hesse beschreibt das „Juligefühl“ ein wenig schwermütiger. Dennoch ist es seit Jahren eines meiner liebsten Gedichte von ihm, nicht zuletzt, weil ich auch ein Julikind bin:

Hermann Hesse: Julikinder

Wir Kinder im Juli geboren
Lieben den Duft des weißen Jasmin,
Wir wandern an blühenden Gärten hin,
Still und in schwere Träume verloren.

Unser Bruder ist der scharlachene Mohn,
Der brennt in flackernden roten Schauern
Im Ährenfeld und auf den heißen Mauern,
Dann treibt seine Blätter der Wind davon.

Wie eine Julinacht will unser Leben
Traumbeladen seinen Reigen vollenden,
Träumen und heißen Erntefesten ergeben,
Kränze von Ähren und rotem Mohn in den Händen.

Mond-Duo 02 GeheimnisTrägerin

marie w mond-duo 02 geheimnisträgerin

Wenn der sommerliche Tag sein Ende gefunden hat, übernimmt die kühle Nacht das Regime. Tiere, Töne und Farben bleiben im Verborgenen, die Welt wird still und geheimnisvoll, ehe es Zeit ist, sich für einige Stunden ins Traumland zu verabschieden. Marie W. setzt dies farblich in einer Liaison aus einem kühlen Taupe-Ton mit silbrigem Grau-Anteil und einem weißen Schimmer-Ton um. Silbrig-leise ist auch die Nacht in den Augen von Herman Hesse:

Hermann Hesse: Nacht

Mit Dämmerung und Amselschlag
Kommt aus den Tälern her die Nacht.
Die Schwalben ruhn, der lange Tag
Hat auch die Schwalben müd gemacht.

Durchs Fenster mit verhaltenem Klang
Geht meiner Geige milder Strich.
Verstehst du, schöne Nacht, den Sang –
Mein altes lied, mein Lied an dich?

Ein kühles Rauschen kommt vom Wald,
Daß mir das Herz erschauernd lacht,
Und leis mit freundlicher Gewalt
Besiegt mich Schlummer, Traum und Nacht.

Damit endet unser Ausflug in die lyrische Welt der Sonnenkinder und Geheimnisträger.

Freut ihr euch auch so über die langen Tage? Gehört ihr so wie ich zu den Nachteulen? Seid ihr kosmetisch eher in den Farbwelten der Sonnenkinder oder Geheimnisträger unterwegs? Und hat Hermann Hesse euch auch durch die Jugend begleitet?

 

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15 Comments

  • Reply pretty green woman 18. Juni 2015 at 9:18

    Aww, wie toll, marie w., davon möchte ich früher oder später auch noch so viel ausprobieren! Die Lidschatten haben mich auch schon so oft angelacht, genau wie die Wimperntusche, das Matt&Makellos oder Anti-Rot Puder. 😀

    Dein Post ist total verzaubernd und lädt echt zum Träumen ein, herrlich. Schade, dass Dir das eine Duo etwas kaputt gegangen. Aber anscheinend hattest Du Glück im Unglück, liebe Ida, dass es nicht vollständig zerbröselt ist. 😉

    Liebe Grüße,
    Jenni
    pretty green woman kürzlich veröffentlicht…Eco Cosmetics Sonnenölspray LSF 30 [Review]My Profile

    • Reply Herbs & Flowers 19. Juni 2015 at 18:24

      Die Wimpertusche von Marie W. ist auch toll! Um die verschiedenen Puder schleiche ich auch schon einige Zeit herum. 😀

      Freut mich, dass dich mein Beitrag zum Träumen eingeladen hat! 🙂

      Liebe Grüße!

  • Reply Die Naturdrogerie 18. Juni 2015 at 12:34

    Nein, wie ärgerlich mit dem Lidschatten! Im Laden ist uns mit den Testern leider etwas ähnliches passiert. Ich kann also den Schmerz gut nachvollziehen. (Mich persönlich hat dabei überrascht, wie stabil die Tonscherben sind. Immerhin etwas.)

    Die Gedichte sind überaus passend ausgewählt. Und Hermann Hesse zählt ganz zu recht zu den großen Dichtern. 🙂

    Die Qualität der MondDuos kann man meiner Meinung nach gar nicht genug herausstellen. Wie Du schon geschrieben hast, ist die Farbabgabe auf den Punkt richtig. Zudem halten die Lidschatten extrem gut und rutschen auch nach mehreren Stunden kaum bis gar nicht (kommt auch auf die Unterlage an – Primer auch hier empfohlen). Und was mir immer wieder auffällt: es staubt oder krümelt nicht, wenn man mit dem Pinsel rangeht. Der Lidschatten haftet richtig am Pinsel und lässt sich doch gut auftragen. (Das ist für mich immer noch irre … )

    Auch wenn ich in letzter Zeit nicht wirklich zum Kommentieren hier auf dem Blog kam: bitte immer weiter so! Die Texte und besonders auch die Fotos sind inspirierend.

    Liebe Grüße aus Mainz
    Die Naturdrogerie

    • Reply Herbs & Flowers 19. Juni 2015 at 18:26

      Schön, von euch hier mal wieder zu lesen! Es freut mich, dass ihr als Leser nach wie vor dabei seid. 🙂

      Stimmt, die Tonscherben sind in der Tat stabel. So konnte ich wenigstens noch einen (ziemlich ergiebigen) Rest des Lidschattens retten. Immerhin. Ein wenig staubt der Lidschatten schon beim Entnehmen mit dem Pinsel, finde ich. Aber insgesamt hält sich der „Staubverlust“ sehr in Grenzen.

      Liebe Grüße und bis nächste Woche in Tirol!

  • Reply Nessie 18. Juni 2015 at 18:06

    So einen tollen Post habe ich lange nicht mehr gelesen, die Hesse-Gedichte laden wirklich zum Träumen ein. Ich finde beide Lidschatten-Duos unglaublich hübsch, allein schon wegen der bezaubernden Verpackung. Instinktiv würde ich (gerade an lauen Sommernächten) zum Geheimnisträger greifen 🙂
    Liebe Grüße,
    Nessie

    • Reply Herbs & Flowers 19. Juni 2015 at 18:28

      Oh, danke, Nessie, das freut mich natürlich sehr!

      Liebe Grüße!

  • Reply Petra 18. Juni 2015 at 21:39

    Hach Ida, wie schön! Ich bin eine Eule und jetzt um die Sommersonnenwende herum ist die einzige Zeit des Jahres, zu der ich nicht die erste Stunde des Tages taumelnd verbringe – ich bin die Inkarnation des Wortes „schlaftrunken“. Mein schönster Moment eines warmen Sommertages ist es, wenn ich am sehr späten Abend mit einem Sundowner in meinem Garten sitze, die Vögel langsam verstummen und die Staffel an die Fledermäuse übergeben. Zu dieser Zeit liegen schon alle Nachbarn im Bett und draußen sind die Bürgersteige hoch geklappt und der Moment gehört mir ganz allein 😉

    Die Duos von marie w. habe ich mir natürlich schon angeschaut, aber keines hat mich wirklich überzeugen können. Das liegt aber nicht an der Qualität, sondern einfach daran, dass ich mit meiner superblassen Haut einfach ein bisschen Kontrast brauche.

    Ich wünsche dir viel Spaß mit den Mädels beim Naturkosmetik-Camp, zu gerne würde ich bei euch Mäuschen spielen…

    • Reply Herbs & Flowers 19. Juni 2015 at 18:29

      Hahaha, dann sollten wir mal einen Morgen im Winter zusammen verbringen. Das wäre ein Spaß, Petra, wenn wir beide schlaftrunken durch die Gegend eiern. 😀

      Beim NaturkosmetikCamp könnt ihr im Nachgang zumindest ein bisschen Mäuschen spielen, ich habe natürlich meine Kamera dabei und werde berichten. 🙂

      Liebe Grüße!

  • Reply strawberrymouse 19. Juni 2015 at 11:57

    Ich liebe die kurzen Nächte aktuell auch sehr; bin ja auch eher der Nachtmensch. Hesse liebe ich sowieso. Mir fehlen die Swatches – gerade Geheimnisträgerin spricht mich sehr an!
    strawberrymouse kürzlich veröffentlicht…Aufgebraucht & Nachgekauft Mai 2015My Profile

    • Reply Herbs & Flowers 19. Juni 2015 at 18:30

      Damit der Beitrag nicht gänzlich ohne Swatches auskommen muss, hatte ich Julias Beitrag auf Beautyjagd im Text verlinkt – da bekommst du eine gute Vorstellung vom Farbton. 🙂

      Liebe Grüße!

  • Reply Fräulein Immergrün 20. Juni 2015 at 22:50

    Liebe Ida,
    auch wenn mich marie W noch nicht in ihren Bann gezogen hat, so hat es doch dein Blogpost. Die Nächte sind kurz, die Tage länger. Ich träume mich gern nach Skandinavien zu den Midsommar Nächten in denen (laut Sagen und Mythen) ja allerhand märchen- und zauberhaftes geschehen soll.
    Dein Bericht lädt dazu einmal mehr ein 🙂

    Das Gedicht von den Julikindern habe ich mal zu einem Geburtstag geschenkt bekommen und fand es wirklich passend. Auch ich bin ein Julikind und entdeckte Eigenheiten wieder 🙂 Danke fürs zurückerinnern!

    Grünste Grüße
    Fräulein Immergrün kürzlich veröffentlicht…Von Windfängern und ErdbeerelchenMy Profile

    • Reply Herbs & Flowers 25. Juni 2015 at 23:08

      Ach sieh an, noch ein Julikind! 🙂 Die Midsommar-Nächte in Skandinavien stelle ich mir ja auch ganz zauberhaft und mythisch-mystisch vor.

      Liebe Grüße!

  • Reply Theresa vom Projekt Schminkumstellung 22. Juni 2015 at 12:23

    Liebe Ida, was für ein schöner Blogpost (: .
    Ich muss gestehen, dass ich weder ein Nachtmensch (spätestens um 10 beginnt meine Schlafenszeit ^^) noch ein Sommerkind bin, was aber nicht heißt, dass ich die Jahreszeit nicht auch genieße. Mich zieht es aber mehr in den Winter, gerade weil ich im Dezember geboren wurde (: .
    Laue Sommernächte finde ich aber auch sehr schön und die Gedichte rufen Erinnerungen wach (: . Momentan ist es bei mir allerdings eher bewölkt und regnerisch, aber auch dieses Wetter mag ich sehr gern, weil es zum Lesen und Einkuscheln sowie heiße Schokolade einlädt (: .
    Und deine Abizeit klingt einfach nur wunderschön…solche Dinge mit seinen Freundinnen zu unternehmen war bei mir leider eher weit entfernt.
    Du hast es übrigens geschafft: jetzt möchte ich auch so ein Mondduo haben *hehe*. Deine beiden Farben würden auch mich am meisten ansprechen. Schade, dass die eines der Duos kaputt gegangen ist, aber immerhin ist noch etwas übrig geblieben!
    Liebe Grüße (: .
    Theresa vom Projekt Schminkumstellung kürzlich veröffentlicht…Getestet: Naturkosmetik-Concealer-Vergleich + VerlosungMy Profile

    • Reply Herbs & Flowers 25. Juni 2015 at 23:12

      Ich war schon zu Schulzeiten eine Nachteule, im Studium hat das ganze dann zum Teil etwas extreme Züge angenommen, mittlerweile hat es sich beruflich bedingt so auf ca. Mitternacht (plus minus ca. eine Stunde) eingependelt.

      Und ja, meine Abizeit war in der Tat richtig schön, ich habe viele tolle Erinnerungen an die zwei Jahre in der Oberstufe.

      Liebe Grüße!

  • Reply Farbtupfer: natürlicher Look „Sonnenkuss“ - herbsandflowers.de 3. August 2015 at 0:18

    […] 05 SonnenKind): Welcher Lidschatten würde zu einem sonnengeküssten Makeup besser passen als das SonnenKind-Duo von Marie W.? Ich habe in diesem Fall vorrangig den dunkleren Ton verwendet und ihn auf beiden […]

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