Neue Düfte von Juniper Lane: Naturparfum in der Drogerie kaufen – und ein paar Gedankensplitter

21. Juni 2019
juniper lane parfum review

Ich bin wieder da! In den letzten beiden Wochen war es hier auf dem Blog ungewohnt ruhig. Leider habe ich nicht irgendwo am Strand gelegen und Cocktails geschlürft, sondern stattdessen meine Schnupfnase gepampert, meine Mandeln mit Antiobiotika gezähmt und eine unfreiwillige Pause vom Schreibtisch eingelegt. Nun geht’s hier aber munter weiter – euch erwarten in den kommenden Wochen Beiträge zum Thema DIY, Less Waste im Badezimmer, Sonnenschutz, Buchempfehlungen, meine liebsten Sprays für den Sommer und mehr.

Heute geht es aber erst einmal im Naturparfum. Vor einigen Wochen erreichte mich eine Anfrage, ob ich denn die neuen natürlichen, zertifizierten Düfte von Juniper Lane schon kennen würde und Lust hätte, sie als PR-Sample zu testen. Neue Naturparfums? Aber hallo, na klar! Und so stelle ich euch heute zwei Parfums vor und teile mit euch ein paar Gedanken zu Mainstream, natürlichen Ressourcen, Instagram …und natürlich den beiden Parfums.

Juniper Lane: Naturparfum aus der Drogerie

juniper lane parfum

Wenn wir uns in den großen Drogeriemärkten umsehen, sind Naturparfums dort zwischen konventionellen Düften ja noch reichlich rar gesät. Juniper Lane bietet nun mit Moon Flower und Wonder Leaf zwei verschiedene Düfte, die ihr bei dm und Rossmann für jeweils 14,95 Euro findet.

Entwickelt wurden die beiden Parfums von Parfumeurin Anne-Louise Gautier im französischen Grasse, die Produktion erfolgt wiederum in Deutschland. Juniper Lane gehört zu Lifestyle Perfumes, einem Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, Vermarktung und Distribution von Parfummarken spezialisiert hat. Juniper Lane steht dabei im Portfolio neben anderen (konventionellen) Marken.

Moon Flower und Wonder Leaf

In zarten Pastelltönen präsentieren sich die beiden Natrue-zertifizierten Parfums von Juniper Lane mit reduziertem, modernem, femininem Design. Mein erster Gedanke war: „Die sehen aus wie frisch aus einem Instagram-Lifestyle-Account entsprungen.“ Umso gespannter war ich darauf, was mich dabei wohl olfaktorisch erwarten würde.

juniper lane moon flower

Moon Flower hat vom Duft her weitaus mehr Opulenz zu bieten, als es das unschuldige Pastellrosa der Flasche zunächst vermuten lässt. Auf den ersten Sprüher wird meine Nase vom Aroma süßer Kirschen und roter Johannisbeeren in Kombination mit Amaretto-Noten umweht. Dazu gesellen sich allerhand weitere süße, fruchtige und blumige Noten. In der Basis erahne ich Tonka. Mir persönlich ist der Duft zu beerig-fruchtig und zu süß, ich kann ihn mir aber an jugendlichen Mädchen oder jungen Frauen sehr gut vorstellen.

juniper lane wonder leaf

Wonder Leaf kommt etwas zurückhaltender daher als Moon Flower. Es ist eine Mischung aus wässrig-grünen Noten, die mir im Zusammenspiel mit sanften Blütenakkorden entgegenströmt. Der Duft entwickelt einen seifig-frischen Ton, bleibt dabei aber eher zart und gleichzeitig feminin. Meine Nase kennt diese Art von Düften, ich habe ähnliches schon häufig in der konventionellen Parfümerie gerochen. Auch hier sehe ich eher jüngere Frauen als Zielgruppe an.

Wenn ihr also nach zwei Düften sucht, mit denen ihr eure jüngere Schwester oder Nichte, die Tochter einer Freundin, euer Patenkind, … an die Welt der Naturparfums heranführen möchtet: give it a try! Im dm und bei Rossmann könnt ihr (falls es Tester gibt) ja problemlos selbst auch mal probeschnuppern. Das ist ein großer Vorteil gegenüber den Parfum-Anbietern, die sonst verbreitet eher online als offline zu finden sind! Ein weiteres Plus ist ganz offensichtlich der Preis: 14,95 Euro für 50 ml Parfum inkl. Natrue-Siegel sind natürlich sehr erschwinglich. Dazu sind die Flaschen ein echter Hingucker.

Ich selbst passe allerdings mit meinen Duftvorlieben nicht wirklich in die Zielgruppe. Warum die Düfte hier dennoch ihren Platz auf dem Blog gefunden haben, obwohl ich sonst vor allem über Produkte schreibe, die ich gern und regelmäßig nutze? Nun, sie sind ein guter Anlass für ein paar weitere Fragen und Überlegungen, die ich mich euch teilen möchte.

Gedankensplitter #1: Gehört Naturparfum nur in die Nische?

juniper lane review parfum

Ich war ehrlich erstaunt darüber, wie konventionell die beiden natürlichen Parfums von Juniper Lane riechen. Würde es nicht auf dem Etikett stehen, würde man fast nicht auf die Idee kommen, dass es sich dabei um Naturparfum handelt (abgesehen von der geringen Haltbarkeit auf der Haut). Und sollte es nicht genau so sein: natürliche neben konventionellen Düften – ganz selbstverständlich, ganz ohne Abgrenzung? Und ist die Abgrenzung zu „konventionell“ in dieser Hinsicht dann überhaupt die passende? Sind diese beiden Parfums rein vom Duft her nicht absolut konventionell im Sinne von „herkömmlich“, ganz unabhängig mal von den Inhaltsstoffen?

Auf jeden Fall zeigen sie, wie Naturparfum auch funktionieren kann: massentauglich und über Naturparfum-Schubladen wie Zitrus oder Sandelholz hinaus. Bei synthetisch hergestellten Düften gibt es ja auch die gesamte Bandbreite von eher simpel bis zu komplex und einzigartig und in der Naturkosmetik können wir auch aus einem bunten Potpourri an Marken aus Mainstream, High-End und Nische wählen. Die beiden Parfums von Juniper Lane erweitern das Spektrum der Naturparfums auf dem deutschen Markt auf jeden Fall in Richtung Mainstream und bieten zwei Düfte, die vielen (vor allem vermutlich jüngeren) Nasen gefallen dürfte.

Gedankensplitter #2: Grüner Konsum, PR und Nachhaltigkeit – wie geht das zusammen?

juniper lane moon flower

Selten erreichen mich PR-Samples in ausladenden, superstylishen Boxen. Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich das PR-Paket geöffnet habe: ein quadratischer (hello, Instagram!) Karton, in dem gefühlt eine halbe Schallplattensammlung Platz finden würde. Darin befanden sich nicht nur die beiden Parfums, sondern auch noch eine Vase, Badesalz, Blumen und eine extra Aufbewahrung für ein Notizbuch. (Wenn ihr mal schauen wollt: auf heylilahey findet ihr Fotos davon). Ok, wow – das ist mal wirklich eine Aufmachung, die die Bezeichnung instagrammable verdient hat. Im selben Moment habe ich aber sehr mit dieser auslandenden Form der Bemusterung gehadert: eine große Verschwendung an Ressourcen, oder? Schön, ohne Zweifel, aber eben irgendwie auch ziemlich unnötig. Gleichzeitig verstehe ich auch den Struggle, sich im Mainstream mit grünen Produkten behaupten zu können  – und diese fotogene Art der Aufmachung spielt Bloggern und Influencern natürlich definitiv in die Karten. Würde ich es mit einer eigenen Marke genauso handhaben? Und wie wird sich die Zusammenarbeit mit Bloggern und Influencern in den nächsten Jahren in der nachhaltigen Beauty-Szene weiter entwickeln? Das bleibt mit Spannung abzuwarten.

Zu Beginn meiner Bloggerzeit habe ich übrigens noch akribisch jede Verpackung aufgehoben, um sie für Fotos auch nutzen zu können. Inzwischen schätze ich Produkte, die mit wenig bis gar keiner Umverpackung auskommen oder intelligente Verpackungslösungen bieten, oft noch mehr als ihre aufwendig verpackten Kollegen  – Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, mein visuell veranlagtes Herz mag schönes Packaging auch einfach. Und auch die Frage, wie nachhaltig es ist, zum Konsum grüner Produkte anzuregen, treibt mich immer wieder um. (An dieser Stelle empfehle ich euch dazu nochmal diesen Artikel von Franziska für die Fashion Changers.)

Gedankensplitter #3: Naturprodukte im Mainstream – wo liegt die natürliche Grenze?

juniper lane naturparfum

Ich fände es super, wenn Juniper Lane dazu beitragen kann, dass bereits junge Menschen sich für Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen begeistern können: bestenfalls zieht das weitere Entdeckungen im Beauty-Bereich nach sich! Naturprodukte, die im Badezimmer hip sind, von denen man seinen Freundinnen erzählt und die sich größerer Beliebtheit erfreuen? Yes, please! Gleichzeitig stelle ich mir vor, wie es wäre, wenn Naturparfum plötzlich DAS Ding in Drogerien und Parfumerien werden würde – mit entsprechend enorm hoher Nachfrage. Nur mal rein hypothetisch: Wäre es langfristig überhaupt erstrebenswert, synthetische Düfte größtenteils vom Markt zu verdrängen? Natürliche Ressourcen sind begrenzt. Punkt. Die Frage ist nur: ab wann? Wäre die Nachfrage nach den entsprechenden Rohstoffen überhaupt abzudecken? Ich bezweifle es.

Am Ende ist es also auch eine Frage der Nachhaltigkeit, ob Naturparfums weiterhin eine Nische anstelle des Massenmarktes bedienen dürfen – dieselben Fragen stellen sich ja auch im Bereich Kosmetik, Food und Fashion. Gleichzeitig wünsche ich mir natürlich, dass sich natürliche Produkte im Haifischbecken Massenmarkt selbstbewusst behaupten können. Ein unlösbares Dilemma? Die Schlüssel zur Lösung liegt vermutlich einmal mehr in der Änderung des individuellen Konsumverhaltens.

To be continued

Diese Themen habe ich an dieser Stelle definitiv noch nicht zu Ende gedacht und es ist interessant, zu beobachten, was zwei junge, natürliche Düfte mit Mainstream-Potential in mir an Fragen aufwerfen. Gern lasse ich euch an meinen Gedanken-Experimenten dazu weiter teilhaben. Wenn ihr selbst Gedanken dazu habt, die ihr hier teilen wollt, dann hinterlasst einfach einen Kommentar! Und wenn ihr noch eine andere Meinung zu den beiden Düften von Juniper Lane lesen möchtet, dann klickt unbedingt bei Julia auf Beautyjagd rein – oder bildet euch beim nächsten Stadtbummel am besten einfach selbst eine Meinung. :-)

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4 Comments

  • Reply Ava 21. Juni 2019 at 11:17

    Schön, dass es dir wieder besser geht. Ich hatte mir schon ein bisschen Sorgen gemacht.

    Denn leider scheint es so zu sein, dass immer mehr NK-Blogs quasi einfrieren, auch einige in deiner Blogroll. Da tut sich gar nichts mehr, vielleicht sind einige auf Instagram umgestiegen, das weiß ich nicht, weil ich es nicht nutze.

    Für die Parfums bin ich nicht die richtige Zielgruppe. Ich mag es weder süß noch blumig, sondern lieber würzig-orientalisch oder würzig-krautig. Aber dass es Naturparfums auch im Laden gibt, finde ich nicht schlecht. Solange der Bio-Gedanke dahinter auch erhalten bleibt. Die Verpackungsgeschichte gefällt mir dagegen nicht. Da bin ich auch für „je weniger, desto besser“.

  • Reply Petra 25. Juni 2019 at 13:43

    Im Laden sind die Parfums ja nur in sehr hübschen Umkartons, die das Thema des Flacons wieder aufnehmen. Auch die Düfte selbst finde ich ziemlich gelungen, die Zielgruppe dürften Teenager und junge Erwachsene sein. Ich finde es ziemlich großartig, dass es Bio-Parfums im Taschengeld-Segment gibt, Abel, Sigil Scent, AER, Hiram Green, Mad et Len usw sind genausowenig Einsteigerparfums wie Amouage, Shalini, Patout, Guerlain und wie sie alle heißen. Und auch schön, dass zielgruppenorientierte Werbung gemacht wird. Was nutzt es, wenn die Produkte im Zero Waste Stil in der Apothekenumschau präsentiert werden. Was auf den Bildern zu sehen ist, sieht aus, als wenn man es dauerhaft (wieder-)verwenden kann, und sei es als Konmari Karton. Großes yay von mir!

    • Reply Herbs & Flowers 9. Juli 2019 at 13:07

      Die Apotheken-Umschau hat mich jetzt gerade sehr zum Lachen gebracht, danke dafür. :D Das Werbekonzept ist auf jeden Fall in Bezug auf die junge Zielgruppe stimmig – und klar, die Verpackung, von der ich im Text spreche, bezieht sich rein auf die PR-Samples. Die Düfte selbst stecken im FSC-zertifzierten Karton. Ich bin gespannt, wie sich das Thema Naturparfum in der Drogerie/im Massenmarkt in den nächsten Jahren entwickeln wird und halte weiter Augen, Ohren und Nase offen. :)

  • Reply Petra 25. Juni 2019 at 13:47

    PS: Übrigens gibt es das ja auch schon in erwachsen(er), die Weleda-Parfums sind ja in einem ähnlichen Preissegment. Umso schöner, wenn es da jetzt auch jüngere Düfte gibt.

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