Naturkosmetik und ich: wie alles begann

27. Januar 2018
dr hauschka lidschatten

Naturkosmetik wurde mir nicht in die Wiege gelegt. Die Öko-Bewegung ist an meiner Familie vergleichsweise spurlos vorübergegangen, so dass die Berührungspunkte mit grünen Themen in meiner Kindheit eben genau das waren – punktuell statt flächendeckend. Aber dennoch: als Kind bzw. Jugendliche liebte ich den eigenwilligen Duft von Reformhäusern. Ich investierte mein Taschengeld in langlebige Leinenoberteile vom Mittelaltermarkt. Ich konnte mich stundenlang damit beschäftigen, die Kataloge von Spinnrad und Waschbär zu wälzen und mir dabei unter anderem vorzustellen, wie es wäre, die Küche in eine moderne Alchemiestube zu verwandeln, um am Ende des Tages stolz meine randvoll befüllten Cremetiegel zu präsentieren.

Letzteres blieb aber Fantasie – als Jugendliche machte ich Bekanntschaft mit den typischen Vertretern der konventionellen Reinigung und Pflege für junge Haut, die man im TV am häufigsten sah. Meine ersten Makeup-Versuche beschränkten sich auf Mascara, Nude-Lidschatten, ab und an einen dunkelgrauen Kajal, den ich aus dem Kosmetiktäschchen meiner Mama angelte und der zur Halloween-Party in der Schule auch mal etwas dicker aufgetragen werden durfte. An Lippenstift kann ich mich ehrlich gesagt nicht einmal genau erinnern. Im Zweifelsfall war es irgendwas in Richtung Rosenholz.

Von Naturkosmetik war ich aber weit entfernt. Die ersten richtigen Berührungspunkte wecken eher unangenehme Erinnerungen bei mir – die Mutter einer Freundin empfahl mir gegen unreine Haut Teebaumöl und gab mir ohne weitere Erklärungen ein kleines, schmuckloses Fläschchen mit heim. Boah! Was für ein Geruch! Puh, dagegen roch die Umkleide der Jungs in der Sporthalle ja wie ein Blütenmeer. Danke, aber da bleibe ich doch lieber bei meiner Reinigung aus der pastellrosanen Flasche. (Heute muss ich darüber sehr schmunzeln, denn inzwischen schätze ich die Wirkung von Teebaumöl sehr.)

In meinen frühen Zwanzigern gab es vieles, was mich interessierte – Kosmetik gehörte definitiv nicht dazu. Das war für meine Begriffe belangloses, oberflächliches Zeugs. (Ich hatte ja sowas von keine Ahnung!) Meine Bestände passten locker in ein Schminktäschchen, ich war über Jahre hinweg sehr treue Clinique-Anwenderin. Ein einziger Naturkosmetik-Artikel war regelmäßig bei mir vorrätig: das Arnika-Massageöl von Weleda.

Der „große Knall“ in Sachen Kosmetik kam bei mir erst Ende 2011/Anfang 2012. Ich war in Probierlaune und wollte gern einmal meine Gesichtspflege rundumerneuern. Also ging ich frohen Mutes in den mintgrünen Konsumtempel und entschied mich für eine dreiteilige Pflegeserie, die mir in pastellgrün alles Mögliche versprach. Was ich direkt nach der ersten Anwendung bekam, war ein Ergebnis, das nicht zu übersehen war: knallrote Haut, die ordentlich brannte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Und dann hat es irgendwie in meinem Kopf klick gemacht: Ida, du machst dir jeden Tag Gedanken, was auf deinem Teller landet, marschierst im Bioladen deines Vertrauens munter ein und aus und hast dich bis heute noch nicht ein einziges Mal ernsthaft gefragt, was auf deiner Haut landet! Fang mal an, deine grauen Zellen in Bewegung zu setzen!

Gesagt, getan. So landete ich im Internet schlussendlich das erste Mal auf einigen der Blogs, die ich bis heute gern und regelmäßig lese – Beautyjagd, PuraLiv, Alabaster Blogzine (damals noch Alabastermädchen). Was sich da mit einem Mal für Welten aufgetan haben! Plötzlich waren sie da: Frauen, die Kosmetik vielschichtig beleuchteten. Firmen, die fernab von gängigen Schönheitsklischees warben und Natürlichkeit in den Vordergrund stellten, den Menschen ganzheitlich betrachteten und dabei auch noch nachhaltig handelten. Damit konnte ich mich unsagbar stärker identifizieren als mit allen gängigen Werbeversprechen und Darstellungen aus Frauenzeitschriften! Und so kam sie in mein Leben: die Liebe zur Naturkosmetik.

dr hauschka lidschattenpalette

Ich habe binnen kürzester Zeit mein Badezimmer von konventionell auf grün umgekrempelt (viel war es ja nicht). In der Gesichtspflege startete ich mit einer Mischung aus Produkten von Just Pure und Dr. Hauschka. Woah! Diese Düfte! Und das schöne Packaging! Ich hatte das Gefühl, nach Hause zu kommen. So entdeckte ich, dass Gesichtspflege nicht nur tägliches lästiges Übel ist, sondern tatsächlich ein sinnliches Ritual sein kann, das man mit Freude zelebriert.

Dank Dr. Hauschka wurde auch meine Lust auf dekorative Kosmetik entfacht. Experimentierfreudig bestellte ich mir drei Lidschatten – und siehe da: ich habe sie super vertragen. Das war ich von konventionellen Lidschatten (nicht allen, aber doch einigen) kaum noch gewohnt. Und so kam nach und nach die Lust am Schminken ganz dezenter, alltagstauglicher Looks. Mineralfoundation von Andrea Biedermann war da eine große Offenbarung. Geschminkt sein, ohne angemalt auszusehen – und das als blutiger Anfänger! Ich war begeistert! Die Lust auf kräftigere Farben, auffälligen Lippenstift usw. kam dann erst später dazu. Viel zu spät erkannte ich, dass Makeup viel mehr sein kann als oberflächliches Farbspiel auf der Haut – kulturelle und historische Aspekte finden sich darin ebenso wieder wie die Möglichkeit, der eigenen Individualität und Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen.

Ab da gab es kein Halten mehr. Ach, INCI nennt man das lateinische Kauderwelsch auf den Verpackungen? Erzähl mir mehr! „No more dirty looks“ ist eine Art grüne Beauty-Bibel? Alles klar, liegt schon zum Lesen bereit. Die Naturdrogerie ist eine Empfehlung in Sachen Online-Shopping? Ich schaue mich da mal um.

Der Rest ist dann wohl schnell erzählt: seit meinem Naturkosmetik-Beginn vor rund 6 Jahren habe ich schon viel gelernt – über meine Haut, über Inhaltsstoffe, über Pflege, über Marken und Marketing. Ohne Blogs wäre ich dabei um einiges ärmer an Wissen! (Und stelle natürlich trotzdem immer wieder fest: ich weiß, dass ich nichts weiß.) Das war unter anderem auch einer der Gründe, der dazu geführt hat, Herbs & Flowers 2014 ins Leben zu rufen: ich wollte dazu beitragen, andere Menschen ebenso für Naturkosmetik zu begeistern, die wie ich vielleicht in ihrem unmittelbaren Umfeld keinen Austausch dazu führen konnten.

Einiges hat sich seit meinem Naturkosmetikstart geändert, sei es in Sachen Inhaltsstoffe (zum Beispiel, dass „natürlich“ nicht automatisch „verträglich“ heißt) oder in Sachen Pflege-Vorlieben. Der Spaß an der Sache ist geblieben – die Naturkosmetik-Landschaft ist eine, auf deren grünen Wiesen ich mich nach wie vor pudelwohl fühle. Möge es auch in Zukunft viel zu entdecken geben!

Nun interessiert es mich brennend: wie seid ihr zur Naturkosmetik gekommen? Seit wann nutzt ihr Naturkosmetik? Und könnt ihr euch noch an euer erstes Produkt oder besondere Lieblinge aus der Anfangszeit erinnern?

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13 Comments

  • Reply Waldfee 27. Januar 2018 at 14:09

    Vor ca 8 Jahren kam ich zur NK.
    Ich begann mit Alverde, schön die Avocadocreme dick ins Gesicht geklatscht, wegen der trockenen Haut. Auch Weleda habe ich probiert, das Mandelöl schön auf die trockene Haut aufgetragen und sich gewundert, warum nix einzieht. Letztendlich bin ich bei der Cremekampagne gelandet und bin seit langer Zeit sehr zufrieden. Trotzdem würde ich gerne mal wieder die Hauschka-Regenerationsserie benutzen, die riecht so gut.
    Das Wichtigste, was ich in den letzten Jahren gelernt habe, ist der Verzicht auf Fettalkohol wegen des Folieneffektes. Hat zwar nichts mit NK oder KK zu tun, habe ich aber auf dem Weg dahin rausgefunden 😀

    • Reply Petra 28. Januar 2018 at 12:02

      Haha, „die riecht so gut“! Die erste Cremetube habe ich zurückgebracht, weil ich wegen des sehr ausgeprägten Maggigeruchs vom Rotklee dachte, die sei gekippt 😂😂😂

      • Reply Gila 28. Januar 2018 at 16:53

        Da sieht man mal wieder, wie nur bedingt wertvoll persönliche Eindrücke für andere sein können. Ich kann mich ohne Einschränkung bei Waldfee wiederfinden,
        Ganz besonders angenehmer Duft der regenerationsserie. Nix von wegen Maggi!
        Hauschka gehörte auch zu meinen NKanfängen, vielleicht deshalb meine Vorliebe für einige der basisprodukte von damals, z.b. das gesichtsöl . Obwohl heute meine Lieblinge ganz eindeutig bei anderen Firmen liegen.
        Gern erinnere ich mich auch an Martina Gebhardt, jedenfalls als ich die Lotions und Toner entdeckt hatte. Die für mich viel zu fetten Cremes waren eher abschreckend.
        Wenn ich damals schon gewußthätte, was ich heute weiß, wären mir einige versuchsirrtümer erspart geblieben! Aber das gilt wohl für jeden. Sagt deine Nase immer noch ‚ Maggi‘, liebe Petra? ‚

        • Reply Petra 28. Januar 2018 at 18:28

          Hallo liebe Gila, oh ja, die riecht nach wie vor wie gekippte Suppe für mich, die kriege ich ohne würgen nicht ins Gesicht 🤢 Aber ich liebe Serum und Augenpflege sehr. Aktuell habe ich die Aufbau- und die Beruhigungsmaske von Hauschka in Benutzung, den Balancing und den Illuminating Puder, den grauen Kajal und die lila Palette (alt, Backup). Mein Lieblingsprodukt ist das Rosenblütenöl seit über 35 Jahren, mittlerweile aber dicht gefolgt vom Moor-Lavendel-Öl. MG war für mich nie eine Option, ich vertrage die Produkte nicht. Zum einen sind die zu fettig, vor allem aber gibt es so einen speziellen Basis/Signatur-Duft, auf den ich nicht klar komme.

  • Reply Natürlich Schöner 27. Januar 2018 at 14:41

    Meine ersten Berührungen mit Naturkosmetik hatte ich schon vor etwa 25 Jahren. Hab dann aber auch lange Zeit konventionelle Produkte benutzt, bis ich etwa 2001 in einer Ökotest geblättert habe und erstmals auf die Thematik Inhaltsstoffe gestoßen bin. Ab dem Zeitpunkt habe ich immer mehr Naturkosmetik verwendet. Richtig konsequent benutze ich Naturkosmetik seit der Schwangerschaft mit meinem Sohn vor mittlerweile fast 8 Jahren.

    LG Michaela

  • Reply strawberrymouse 27. Januar 2018 at 17:06

    Sehr spannend; ich lese solche Geschichten immer wieder gern.
    Meine Geschichte kommt mir ja schon wie ein Mantra vor; mit der juckenden Kopfhaut und den unverträglichen konventionellen Tensiden ;)

  • Reply Valandriel Vanyar 27. Januar 2018 at 18:57

    Bei mir fing alles mit Alverde im Jahre 2016 an:
    Meine Haut war dank Akne schrecklich und ich wollte es mal mit diesem Bio-Zeug versuchen. Also bin ich mit meinen 16 Jährchen natürlich bei DM/Alverde hängen geblieben, war ja auch bezahlbar. Die ersten Jahre habe ich daher für die Haare Sante und für das Gesicht Alverde verwendet. Das waren Produkte aus der Heilerde und Rosenwasser (?) Serie, würde ich heute alles nicht mehr nehmen. Aber so hat es bei mir eben angefangen!

    LG Valandriel

  • Reply Fräulein Immergrün 27. Januar 2018 at 22:30

    Ach schön, solche Geschichten lese ich ja total gerne!
    Ich habe mich allerdings auch schon davor ganz gerne geschminkt – nur eben konventionell. Und auch rumexperimentiert habe ich viel. Bis vor ca 8 jahren (oder ist es sogar noch länger her?!) meine Haut komplett ausgerastet ist – ihr war alles zu viel und ich bin zur Naturkosmetikdrogerie meines Vertrauens gegangen (ok, es war auch die einzige in Leipzig, die ich damals kannte). Die haben mir erstmal kräftig den Kopf gewaschen und ich habe Naturkosmetik ala Hauschka, Sante und Logona ausprobiert. Das hat es nicht besser gemacht, aber die Wende kam mit dem Internet. Bei Valandriel, Incipedia und bei Magimania habe ich die „Sache mit dem reizenden Alkohol“ entdeckt und pflege seitdem nicht nur natürlich, sondern auch reizfrei. Gleichzeitig bin ich auch auf vegane/ vegetarische Kosmetik umgestiegen, aber natürlich geblieben. Denn die NK und auch der mahnende Finger in der Drogerie hat mich damals überzeugt.
    Dennoch kann ich mich noch gut an damals erinnern – Hauschka war wohl für viele in der Pflege ein Ein- bzw. Umstieg. Mit Alverde und Alterra kann auch schnell in der dekorativen Kosmetik umgeswitched werden :).

    Grünste Grüße

  • Reply Petra 28. Januar 2018 at 12:13

    Wala (Hauschka) und Weleda gab es schon bei meinen Eltern, aber auch konventionelle Produkte. Ich habe immer NK benutzt, aber auch KK. Die Texturen bei Naturkosmetik waren in den frühen 80ern echt schwierig, da bekam sogar ich Pickel von. Make-up habe ich nur sehr wenig benutzt, weil ich die konventionellen Produkte nicht vertragen habe, nur Clarins ging ganz gut. Ab den 2000ern hat sich dann bei der NK einiges getan, besonders Dr Hauschka und Börlind habe ich gekauft. Mittlerweile gibt es soviel, dass ich mich manchmal schon etwas überfordert fühle 😬

  • Reply Herbstbeauty 30. Januar 2018 at 16:06

    Mit Dr. Hauschka bin ich auch zur Naturkosmetik gekommen. Die Rosencreme war mir zu reichhaltig, bin dann auf die Rosencreme leicht umgestiegen. Von der Regenerationsserie hat mich auch der Duft der Tagescreme abgeschreckt. Mittlerweile bin ich bei Santaverde gelandet, wegen des Dufts.

    Liebe Grüße

    • Reply Petra 30. Januar 2018 at 19:08

      Hihi, dann bin ich nicht allein damit. Die Seren und die Augencreme aus der Regenerationsserie sind aber toll 😍

      • Reply Herbstbeauty 31. Januar 2018 at 12:19

        Die Augencreme aus der Regenerationslinie habe ich auch gerade nachgekauft. Die ist wirklich gut.

        Liebe Grüße

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