Zukunft gestalten #3: Die farfalla Hebammenhilfe

25. Juni 2018
farfalla hebammenhilfe

Nach einem spannenden, lustigen und dennoch auch anstrengenden Wochenende beim NaturkosmetikCamp, von dem ich hier auch noch berichten werde, bin ich zurück am Schreibtisch – mit einem neuen Interview aus der Serie Zukunft gestalten. Das Format ist mir schon jetzt sehr ans Herz gewachsen, denn ich finde es mehr als interessant, zu erkunden, welchen Themen rund um die Zukunft sich einzelne Player der Naturkosmetikbranche widmen. Heute geht es um ein Thema, das weltweit von großer Bedeutung ist: Geburtenhilfe. Welche wichtige Rolle Hebammen dabei spielen – und das auch über die Geburt hinaus – habe ich im letzten Jahr selbst erfahren. Branchenpionier farfalla hat sich diesem wichtigen Thema gewidmet. Im Interview mit farfalla-Geschäftsführer Malvin Richard erfahrt ihr mehr darüber, wie farfalla sich rund um die Versorgung von Schwangeren durch Hebammen vor, während und nach der Geburt engagiert:

Ida: Wenn ich an soziales Engagement von Naturkosmetik-Herstellern denke, ist Geburtenhilfe sicher nicht das erste, was mir dabei einfällt. Wie kam es dazu, dass farfalla sich gerade diesem elementar wichtigen Thema widmet? Gab es dafür einen speziellen Anlass oder Auslöser?

Malvin Richard: Da hast du sicherlich Recht. Wir beziehen unsere Rohstoffe aus unserem eigenen Pflanzenanbauprojekt in Madagaskar und aus über 45 Ländern der Welt meist direkt von Bauern-Kooperativen mit einer sozialen Ausrichtung. Durch den engen Kontakt mit den Kooperativen und den vorwiegend weiblichen Angestellten wurde uns die große Problematik der Frauen und Kindersterblichkeit während der Geburt ans Herz gelegt. In vielen Entwicklungsländern, wie zum Beispiel der Sahelzone, sterben immer noch bis zu 1 von 100 Frauen bei der Geburt. In Industrieländern ist diese Rate bei ca. 1:10.000. Die große Anzahl der Todesfälle und die ungleichmäßige Verteilung des Risikos für Mütter- und Säuglingssterblichkeit in der Welt stiften uns zum Handeln an.

Über unser bereits bestehendes Netzwerk an Hebammen, welche farfalla seit der Gründung immer treu begleiteten (farfalla Produkte sind in vielen Schweizer und Österreichischen Entbindungsstationen vorzufinden), haben wir erfahren, dass dieses Ungleichgewicht nicht sein müsste, wenn ausgebildete Hebammen bei der Geburt dabei wären.

Mit der Ausbildung von Hebammen können wir einen relevanten Beitrag leisten, um den Müttern und Säuglingen während der Schwangerschaft und Geburt zu helfen, einen gesunden Start ins Leben zu geben. Über das farfalla Hebammen-Engagement ermöglicht farfalla motivierten Hebammen-Aspiranten, eine fundierte Hebammen-Ausbildung zu machen und nach dem abgeschlossenen Studium eine Anstellung als Hebamme zu finden und so hunderten von Müttern und Babys jedes Jahr ins Leben zu helfen.

Ida: Geburtenhilfe und die Betreuung von Frauen vor und nach der Geburt durch Hebammen ist auch in Deutschland ein Dauerbrenner. Inwiefern unterscheidet sich die Geburtenhilfe in Entwicklungsländern im Detail von der Situation hier in Europa?

Malvin Richard: Leider grundlegend. Während in Deutschland (fast) jede Frau durch eine Gynäkologin oder Hebamme begleitet wird, ist dies in Entwicklungsländern leider noch die Ausnahme.

Gibt es Komplikationen bei der Geburt, dann sind die Frauen ganz auf sich alleine gestellt und müssen oftmals kilometerweite Wege bis ins nächste Spital auf sich nehmen, wobei oftmals jede Hilfe zu spät kommt.

Ida: Das Anliegen von farfalla ist es also, die Geburtenhilfe zu stärken und so die Müttersterblichkeit zu senken.  Welche Maßnahmen werden dafür konkret ergriffen?

Malvin Richard: Studien haben gezeigt, dass die Hebammen einen elementaren Einfluss auf die Müttersterblichkeit haben, da diese die Frauen von Familienplanung über die Schwangerschaft und die Geburt bis hin zur Nachbetreuung begleiten. Leider gibt es immer noch einen enormen Mangel an gut ausgebildeten Hebammen in diesen Regionen.

Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, in die Ausbildung von Hebammen zu investieren, denn eine Hebamme kann bis zu 500 Geburten pro Jahr begleiten.

Ida: Diese Ausbildung erfolgt in Äthiopien Form eines Hebammen-Stipendiums.. Wo werden die Hebammen dort ausgebildet? Wie lange dauert die Ausbildung? Und hat eine Stipendiatin, die ihr unterstützt, bereits erfolgreich ihre Ausbildung absolviert?

Malvin Richard: Uns war es ganz wichtig, in die Hilfe zur Selbsthilfe zu investieren. Durch unsere Reisen sind wir vielen Projekten begegnet, welche nach einer Anfangsinvestition aufgrund von fehlendem Wissen abgebrochen wurden. Die Ausbildung zur Hebamme ist anspruchsvoll und braucht vor allem viel praktische Erfahrung. Wir waren daher auf der Suche nach einer Schule, welche eine seriöse Ausbildung garantiert. Über unser Netzwerk mit Schweizer Hebammenhochschulen sind wir auf das Hamlin College of Midwives gestoßen, das einen exzellenten Ruf hat und eine vierjährige Hebammenausbildung mit Bachelorabschluss anbietet. Für den aktiven Kontakt zur auszubildenden Hebamme arbeiten wir mit der Schweizer Hilfsorganisation GreenLamp zusammen, die sehr aktiv vor Ort ist.

Ganz wichtig war uns auch, dass die ausgebildeten Hebammen danach auf eine feste Anstellung zählen können, da sich gut ausgebildete Fachkräfte in Entwicklungsländern ansonsten in anderen weiter entwickelten Ländern für einen Job umsehen. Dies wird in Äthiopien garantiert.

Wir haben nun eine erste Hebamme, die derzeit durch unseren Beitrag ihr erstes Jahr der insgesamt vierjährigen Ausbildung im Hamlin College absolviert. Mit ihr stehen wir in regem Austausch und sind beidseitig sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Ida: Ist aktuell bereits ein weiteres Projekt der farfalla Hebammenhilfe in Planung?

Malvin Richard: Davon abgesehen, dass wir mehrere Hebammen ausbilden werden, unterstützen wir auch einzigartige Hebammen Engagements wie das von Mambrella. Dieses Projekt wurde von zwei Schweizer Hebammen gegründet, die mit ihrem Hebammenmobil Geburtshilfe für Flüchtlinge in Serbien bieten. Auch dies ist eine Region, wo schwangere Frauen ihre Kinder oft ohne Betreuung gebären müssen und Hilfe im Wochenbett fehlt.

Ida: Zu guter Letzt: was ist deine Vision für die Geburtenhilfe in 10 Jahren in den Ländern, in denen sich die farfalla Hebammenhilfe engagiert?

Malvin Richard: Wir erhoffen uns, dass zahlreiche ausgebildete Hebammen aktive Geburtshilfe in ihren Ländern leisten können und wir so einen Beitrag zur Reduktion dieses großen Leids leisten können.

Herzlichen Dank für das Interview, Malvin Richard – ich wünsche weiterhin viel Erfolg in der Hebammenhilfe mit vielen gesunden, glücklichen Müttern und Babys!

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2 Comments

  • Reply Ava 25. Juni 2018 at 18:26

    Das ist auf jeden Fall eine begrüßenswerte Sache! Zumal, wenn man die Missstände vor Ort sieht. Das finde ich ja so gut an (einigen) Naturkosmetikfirmen: Verantwortung übernehmen für das Produkt, sozusagen von der Wiege bis ins Grab. Also vom Anbau der Inhaltsstoffe über die Produktion bis zur Mülltonne, sprich: dem Recycling der Verpackung. Menschen- und Umweltschutz, so sollte es sein.

    • Reply Herbs & Flowers 3. Juli 2018 at 22:04

      Das kann ich so voll und ganz unterschreiben!

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